Bis zu unserer großen Jubiläumsausgabe EXODUS 50 ist es noch ein wenig hin – ihr Erscheinen ist für das Frühjahr 2026 geplant. Ab Ende dieses Jahres werden wir nach und nach erste Informationen über den literarischen wie auch grafischen Inhalt bekanntgeben.

Um euch die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, möchten wir heute eine weitere Leseprobe aus der aktuellen Ausgabe 49 vorstellen …

Unser Teaser zur Story:
Zwischen Erinnerung und Vergessen, Pflicht und Sehnsucht:
Ein Mensch, der täglich mit dem Ende anderer konfrontiert ist – und plötzlich beginnt, über den eigenen Anfang nachzudenken.
Eine Geschichte über Identität, Nähe … und das, was bleibt, wenn selbst die Hoffnung ihre Form verliert.

 

Hope

von Moritz Boltz

Götterdämmerung

von Christian Manske

Traum, der
1. im Schlaf auftretende Abfolge von Vorstellungen, Bildern, Erlebnissen.
2. sehnlicher, unerfüllter Wunsch.
 

Die Wiesen standen in voller Blüte. Saftiges Grün mit bunten Tupfern, wohin man auch blickte. Ein sanfter Wind strich über das Gras und brachte einen angenehmen Duft mit sich. Dieser Ort war unwirklich und dennoch wusste sie, dass sie den strahlend blauen Himmel schon mit ihren eigenen Augen gesehen hatte. Genau wie die zweibeinigen Wesen, die ihr so ähnlich schienen und doch vollkommen anders waren. Zerbrechlich und schwach. Mit Furchen in ihren Gesichtern, wo sie nur Zeitlosigkeit kannte. Sie riefen nach ihr und winkten sie zu sich. Nichts hätte sie lieber getan, als zu ihnen zu laufen. Aber sie blieben unerreichbar.

COZMIC Vol. 10 – erscheint im Juni 2025  exklusiv bei KULT Comics!

Nach kurzer Pause und Verlagswechsel geht es endlich mit COZMIC, der phantastischen Comic-Anthologie – und bereits Vol.10 (!) – weiter.

Neben der Titelstory Alfhilda – Die Legende von der Wilden Hilde von Falko Kutz & Frank Cmuchal

Platz 1: Kurd-Laßwitz-Preis 2025
– Beste deutschsprachige SF-Erzählung aus 2024!

 

Wichtig ist nur, was die Leute glauben

von Christian Endres


Ich wusste lange nicht, dass es in unserer Gegend einen alten unterirdischen Bunker gibt.

      Jetzt gehört es für mich zum Alltag, regelmäßig zu genau diesem Bunker zu fahren. Würde ich das nicht tun, könnte ich Dinge wie die Monatsmiete, den Wocheneinkauf oder die quartalsmäßige Stromrechnung mit meinem normalen Job als Fahrradkurierin in der Stadt kaum stemmen.

Platz 3: Kurd-Laßwitz-Preis 2025

– Beste deutschsprachige SF-Erzählung aus 2024!

 

Slide Machine

von Maria Orlovskaya

Wir waren ein und dieselbe Person. Gebunden an dieselben Prinzipien. Perfekt füreinander geschaffen.«

      Jesse rutschte nervös auf dem reich verzierten Sofa hin und her. Der Salon ihrer besten Freundin Regina roch nach runzligem, alten Holz. Nach Weisheit.

      »Und du bist dir sicher, dass ... Alec es auch so gesehen hat?«, fragte Regina und sah Jes-se mit leuchtenden Augen an. Augen so grün wie frische Grashalme, die sich gern durch die Fugen von Kinderhänden schnitten.

      »Wenn es nicht so wäre, könnte ich gar nicht reisen. Nichts von dem wäre möglich, verstehst du? Ich würde nicht einmal hier sitzen.« Sie schaute sich um, betrachtete die expressionistischen Gemälde, den Esszimmertisch und die alte, schwere Obstschale, die darauf stand. 

Die Welle

von Alexa Rudolph

Start und Ziel. Jahr für Jahr im Sommer an denselben Ort! Mehr möchte ich dazu nicht sagen, nur dies: anstrengend war er immer, unser Familienurlaub! Ein echtes Auslaufmodell. Aber, ich habe durchgehalten. Inzwischen bin ich kein Kind mehr, werde demnächst achtzehn. Ich habe mir die Nase operieren lassen, außerdem den Kopf rasiert. So fühle ich mich besser und sehe nicht wie meine Erzeuger aus. Und jetzt packe ich meine Sachen! Ein allerletztes Mal fahre ich mit. Ich weiß auch nicht wieso, vielleicht wegen der Meerjungfrauenflosse. Fertig! Von mir aus kann’s losgehen. Wir haben Plätze im Hyperloop gebucht. Ziemlich elegante Röhre, gläserne Kapsel mit Relax-Polstern. Anschnallen, und ab geht’s. Super Speed. Nette Erfindung. Nicht mal Zeit zum Pinkeln. Start und Ziel wie Einatmen und Ausatmen gleichzeitig, beinahe.

Die Quelle

von Marco Rauch

Der erste Schuss knallte und zersplitterte die Stille wie eine Glasscheibe. Die Kugel ging daneben, flog über ihre Köpfe hinweg und hinaus in eine fast leere Welt. Sie kamen wegen des Brunnens. Sie wollten das Wasser. Es war die einzige Quelle im Umkreis von mindestens hundert Kilometern. Vielleicht die letzte im ganzen Land.
      Daniel erwiderte das Feuer. Zuerst müssten sie an ihm, seiner Schwester Samantha und ihrem Ehemann Rudolf vorbei. Alles war gut geschützt. Die Quelle befand sich hinter dem komplett verbarrikadierten Haus, das nur ein Panzer oder Raketenbeschuss zerstören könnte. Die Rückseite wurde von einem vertrockneten Wald umschlossen, der am Fuß eines Berges lag. Von dort konnte sie niemand überfallen, außer man nahm den Weg über das Gebirge. Dort oben, zwischen den schartigen Felsen und tiefen Schluchten, verbarg sich die Quelle des Brunnens.